Ich mache rüber

Heute lese ich https://heise.de/-5005893 und denke mir:

Leute, es war schön mit Euch hier bei WhatsApp. Ich wollte schon weg, als WhatsApp damals von Facebook gekauft wurde, bin quasi nur wegen Euch geblieben. Jetzt, wo Facebook mich zwingen möchte, meine Daten ganz offiziell zur Verfügung zu stellen, ist die Zeit gekommen, mich dann doch von WhatsApp zu verabschieden.

Ihr so: Bassim, wie kommt’s?

Ich so: TL;DR? Facebook ist mein persönlich beliebtestes Beispiel für einen Konzern, der die ganze Welt unterm Strich zu einem schlechteren Ort macht.

Ok, etwas ausführlicher: Ich habe mich nicht nur berufsbedingt mit den ethischen und moralischen Verpflichtungen von Softwareentwicklern, die Verwendung der von ihnen erstellten Algorithmen in kommerziell genutzten sozialen Netzwerken und natürlich dem Thema Datenschutz beschäftigt.

Vielleicht sind die ganzen Infos über die Skandale um Facebook daher bei mir eher auf fruchtbaren Boden gefallen und ich habe mir Gedanken dazu gemacht, wie die Führung von Facebook mit fragwürdigen Akteuren und Inhalten auf Facebook umgeht und welche Auswirkungen dies hat auf kritische Meinungsbildung, Demokratie, der Rolle von evidenten Fakten, sozialem Zusammenhalt, Empathie füreinander und Respekt voreinander im Netz. Dies veranlasste mich Ende Februar 2018, meinen Facebook-Account dauerhaft zu löschen.

Nur ein paar Wochen später kam der Cambridge Analytica-Skandal ans Licht. Einer der Hauptakteure: Mark Zuckerberg von Facebook. Sein Beitrag bei Cambridge Analytica zum Wohlergehen der Menschheit? Die Ermöglichung des Wahlsiegs von Donald Trump im November 2016.

Ihr so: Äh…

Brittany so: “Das lässt mich vermuten, dass, wenn Cambridge Analytica nicht Teil der Wahlkampagne gewesen wäre, Donald Trump sehr wahrscheinlich nicht gewonnen hätte.” (Brittany Kaiser im St. Galler Tagblatt).

Ja, in meinem einfachen Weltbild hat die Art, wie Facebook mit unseren Daten umgeht, wesentlich dazu beigetragen, dass ein psychopathischer Nazi im Weißen Haus landet. Und dann psychopathische Nazi-Sachen macht. Und andere psychopathische Nazis ermuntert, noch mehr psychopathische Nazi-Sachen zu machen.

Vorgestern, nur als aktuellstes Beispiel, etwas von nicht zu unterschätzender symbolischer Tragweite: Der Sturm des Kapitols in Washington D.C. am 6. Januar 2021 durch Trump-Anhänger, aufgepeitscht durch Donald Trump selbst und ermutigt durch vier Jahre überdurchschnittlicher Normalisierung von Rassismus, White Supremacy, Misogynie, Soziopathie, offen ausgeübter Polizeigewalt und allgemeinem Unrecht gegenüber Nicht-Weißen, was mich schlichtweg fassungslos macht.

Das war nicht Facebook allein, klar. Aber es ist ein extrem anschauliches Beispiel dafür, was passiert, wenn wir es Konzernen wie Facebook überlassen, was wir zu sehen bekommen, was für Gedanken sich daraufhin in unseren Köpfen bilden, wie wir letztendlich handeln.

Ich habe nichts gegen die Technologie von Facebook. Aber wenn einem klar wird, wie mächtig diese Technologie tatsächlich ist und man dann zusehen muss, wie verantwortungslos Facebook mit ihr umgeht, wie skrupellos sie eingesetzt wird, für welche Zwecke, wohin das alles führt, dann komme ich für meinen Teil halt auf den Trichter, dass ich Facebook nach Möglichkeit nicht unterstützen möchte.

Facebook so: Tja, Bassim, Du warst zwar schon hier mit Deinen ganzen Kumpels bevor wir den Laden gekauft haben, aber jetzt verabschiede Dich von Deiner Privatsphäre oder verabschiede Dich von Deinen Kumpels. Erlaube es uns, mithilfe der Informationen, die beschreiben, wer und was Du bist, noch mehr psychopathische Nazis in Entscheidungspositionen und Vorbildfunktionen zu bringen oder sag bye-bye zu Deinen WhatsApp-Kontakten.

Auch wenn der Spiegel recherchiert haben will, dass sich doch eigentlich nichts ändert, zumindest nicht für europäische WhatsApp-Nutzer; vor diese Wahl gestellt fühle ich mich genötigt aus Prinzip zu handeln.

Glücklicherweise gibt es mittlerweile sehr gute Alternativen zu WhatsApp, die umso populärer werden, je mehr von den Zusammenhängen zwischen Facebook und Co. und dem Fortschreiten der gesellschaftlichen Spaltung, der Vereinsamung und der Normalisierung von Radikalismus jeglicher Art den Weg in das Allgemeinwissen finden.

Die Alternative zu WhatsApp, die von den meisten kritischen Beobachtern dieser Entwicklungen empfohlen wird, ist Signal (https://signal.org).

Signal kann alles, was WhatsApp kann. Und wenn man dann die Menge der gesammelten Daten von Signal und WhatsApp vergleicht (ganz zu schweigen von Facebook Messenger) und daran denkt, was Facebook mit diesen Daten macht, fällt einem die Entscheidung vielleicht leichter.

Ich mache jedenfalls rüber nach Signal. Ihr findet mich unter meinem Klarnamen. Ich würde mich sehr freuen, viele von Euch dort wiederzutreffen. Danke für’s Lesen. ❤️

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